Abschied von einem der Architekten des Euro

Baron Alexandre Lamfalussy ist tot. Er starb am Samstag, den 9. Mai im Alter von 86 Jahren.

Der am 26. April 1929 in Kapuvár, Ungarn, geborene Alexandre Lamfalussy verließ sein Heimatland mit 19 Jahren und siedelte nach Belgien um. Später studierte er mit großem Erfolg Wirtschaftswissenschaften in Löwen und Oxford.

Als Doktor der Wirtschaftswissenschaften machte Alexandre Lamfalussy Karriere in der Finanzwelt. So gehörte er von 1955-1972 dem Vorstand der Banque de Bruxelles an und war von 1972-1975 deren Präsident. Von 1976-1985 war er Leiter der Wirtschafts- und Währungsabteilung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Dort war er von 1981-1985 ebenfalls stellvertretender Generaldirektor sowie von 1985-1993 Generaldirektor. Nach seiner Mitwirkung im „Delors-Ausschuss“ zur Währungsunion wurde der überzeugte Europäer 1994 erster Präsident des Europäischen Währungsinstituts (EWI) und hatte dieses Amt bis 1997 inne. In dieser Funktion trug er maßgeblich zur Gründung der Europäischen Zentralbank bei. Im Jahre 2000 berief ihn der Europäische Rat zum Vorsitzenden des „Ausschusses der Weisen“ für die Regulierung der europäischen Wertpapiermärkte. Der Entwurf für das, was später als „Lamfalussy-Verfahren“ bezeichnet werden sollte, wurde 2003 angenommen und schuf die Grundlagen für einen neuen Rahmen zur Regelung des Finanzsektors. Alexandre Lamfalussy war zudem Ehrenpräsident der Fondation internationale Triffin.

Das 2014 von Christophe Lamfalussy, Ivo Maes und Sabine Peters veröffentliche Werk „Alexandre Lamfalussy, le sage de l'euro“ enthält eine Reihe von unveröffentlichten Interviews, in denen sich der ausgewiesene Bankexperte über die kaum bekannte Aufgabe der BIZ bei der Erhaltung der Finanzstabilität äußert und die Euro-Krise analysiert.

Das CVCE hatte Baron Alexandre Lamfalussy im Rahmen seiner Interviews zur Geschichte der europäischen Integrationsbewegung am 18. März 2010 in Brüssel befragt. In diesem Gespräch schnitt Alexandre Lamfalussy folgende Themen an:

Bank für Internationalen Zahlungsausgleich,

Arbeit des „Delors-Ausschusses“,

Schaffung und Aufgaben des Europäischen Währungsinstituts,

„Lamfalussy-Verfahren“ und Antworten auf die Finanzkrise.